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Gamshurst: aus unserer Ortsgeschichte

Wann genau Gamshurst bevölkert wurde, ist bislang unklar - vielleicht sogar schon vor Christi Geburt: In den Jahren 1810 bis 1885 wurden mehrfach gallische Goldmünzen auf Gamshurster Gemarkung gefunden. Eine davon, die heute im Münzkabinett des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe zu sehen ist, zeigt den König Philipp II. (Philippeus) von Macedonien, der von 359 bis 336 vor Christus regierte.

Ersterwähnung im Jahr 961

Als erste Erwähnung Gamshursts gilt eine Urkunde, aus der das Jahr 961 hervorgeht. Diese wurde zwar erst im 12. Jahrhundert gefertigt, man kann aber davon ausgehen, dass als Vorlage ein Original zur Verfügung stand. Diese Urkunde ist im Archiv départementales du Bas-Rhin in Straßburg archiviert und berichtet über eine Schenkung des Straßburger Bischofs Udo III. an die Straßburger Kirche, in der er mehrere Güter, darunter eines in "Gameneshurst" dem Domkapitel vermacht.

Eine noch frühere Aufzeichnung geht auf das Jahr 902 zurück, Dieses wurde lange - teilweise schon in Büchern aus dem 19. Jahrhundert - als Ersterwähnungsjahr angenommen. Jedoch gehört diese Urkunde zum so genannten "St. Trudperter Fälschungskomplex" und kann nicht als historisch tragfähige Quelle verwendet werden.

In der Zeit von 1198 bis 1217 gab es in Gamshurst ein Hospital "des heiligen Simon und Judas", das dem Kloster Allerheiligen angehörte.
Der Name des Dorfes machte im Lauf der Jahrhunderte einige Veränderungen mit:

In einer päpstlichen Bulle von 1217 wird das Dorf als "Gammenshurst" erwähnt - später wurde der Name als "Gamelshurste" oder auch "Gambshurst" angegeben.
Eine weitere Nennung des Dorfnamens stammt aus dem Jahre 1332 mit der Bezeichnung "Gameneshurst".

In der Gründungsurkunde vom 27. Juli 1355 wurde durch den Abt von Schuttern eine ständige Priesterstelle in Gamshurst geschaffen - hier wurde auch erstmals die Nikolauskapelle erwähnt.

Mit diesem ersten Ortsgeistlichen wurde auch die Trennung von der Mutterpfarrei Sasbach vollzogen: Der Ort sei "recht weit entfernt und wegen der Sümpfe ist nur schwer hinzukommen" hieß es in der Begründung. Dies war wohl auch der Anlass, warum man als Patron der Pfarrei den heiligen St. Nikolaus wählte, der zur Hilfe in Wassersnöten angerufen wird.

Aufzeichnungen von 1428 ist zu entnehmen, dass in diesem Jahr die Leibeigenschaft im Dorf abgeschafft wurde.

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Auch die Inquisition machte vor dem Dorf nicht halt - am 27. Mai 1628 wurde eine Frau bei lebendigem Leib als Hexe verbrannt.

Im Juli 1675 fiel der französische Feldherr Turenne mit seinen Truppen ins Dorf ein. Die Kämpfer kamen zuvor über den Rhein vom heutigen Elsass und lagerten in Gamshurst westlich der Acher. Tags darauf, am 27. Juli, wurde Turenne in Sasbach getötet.

Zur Napoleonischen Zeit lebten in Gamshurst etwa 1.200 Menschen und im Jahr 1825 zählte man 1.542 Einwohner.

Bis 1807 gehörte Gamshurst zur "Kaiserlichen Reichslandvogtei Ortenau" und war dem Gericht Achern unterstellt. Anno 1807 wurde Gamshurst dem Obervogteiamt Achern zugeteilt und gehörte ab 1924 dem Landkreis Bühl an.

Die wechselvolle Geschichte von Kriegen und Hungersjahren führte im Jahr 1854 dazu, dass 344 Einwohner von Gamshurst nach Kanada, vorwiegend in die Gegend um Quebec, auswandern mussten. Es handelte sich bei diesen Bürgern um die "Ortsarmen", die von der Gemeinde weggeschickt wurden - für die Kosten der Auswanderung musste Gamshurst damals sogar einen Kredit aufnehmen. Die Überfahrt dauerte lang und so mancher kam niemals an, weil er unterwegs qualvoll starb; vor allem Kinder und Frauen waren betroffen.

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Bei der Volkszählung am 1. Dezember 1905 hatte das Dorf 1.229 Einwohner.

Nach einem Blitzschlag brannte am 6. Mai 1926 ein Großteil der Kirche ab. Das Gotteshaus wurde wieder aufgebaut und ab Weihnachten 1927 fanden wieder Gottesdienste darin statt.

Am 13. April 1945 wurde das Dorf von Luftbeobachtern unter Beschuss genommen, nachdem die Angreifer glaubten, noch deutsche Soldaten im Dorf zu sehen - ein Irrtum, es handelte sich dabei um Gefangene. Ein Anwesen im Dorf brannte bei diesem Angriff ab.

Im Jahr 1973 wurde Gamshurst als Stadtteil der großen Kreisstadt Achern eingemeindet und gehört seither zum Ortenaukreis.

Seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Strukturwandel das Dorf stark verändert. Vom Handwerk bis zum Industriebetrieb bietet Gamshurst insgesamt etwa 900 Arbeitsplätze (Stand vom Juni 2016).

Die Landwirtschaft im Ort wird heute weitestgehend im Nebenerwerb betrieben - Anfang 2006 gab es noch einen Vollerwerbslandwirt im Dorf.

Aus der ehemals rein bäuerlichen Gemeinde ist ein schmuckes Dorf mit etwas mehr als 1.680 Einwohnern (Stand: November 2016) geworden.

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