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Rückblicke auf die Gamshurster Ortsgeschichte

Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert

Hexen begegnen einem heute in Gamshurst höchstens noch rund um die Faschingszeit - in Form der "Litzlocher Moorhexen", einer Narrenzunft, die im Jahr 1998 im Dorf gegründet wurde: eine fröhliche Gruppe junger Menschen, die nicht im Entferntesten etwas mit dem zu tun hat, was man einst unter einer "Hexe" verstand:

Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit war der Glaube an Hexen und Zauberer hier im mitteleuropäischen Raum stark verbreitet.

Man glaubte an eine Verschwörung des Teufels gegen das Christentum, der mit Hilfe von Hexen und Hexern viel Unheil über Menschen, Tiere und Felder brachte.

Überwiegend wurden Frauen der Hexerei bezichtigt, aber es gab auch Anklagen gegen Männer und Kinder.

Die Europäische Hexenverfolgung fand in der Zeit von ca. 1450 bis 1750 statt - besonders ausgeprägt während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648).

Um 1700 war die Hexenverfolgung bereits wieder seltener anzutreffen - letzte Prozesse und Hinrichtungen sind aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts verzeichnet.

War man erst einmal der Hexerei bezichtigt - gerade ältere Frauen und sozial Benachteiligte wurden oftmals mit solchen Vorwürfen konfrontiert - gab es oft keine Chance mehr, aus dieser Situation wieder schadfrei herauszukommen.

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Die Hexenprozesse in der Frühen Neuzeit folgten einem einheitlichen Muster:

Der Anklage folgte schnell die Inhaftierung in Kellern oder Türmen ("Hexentürme").

Verhöre begannen mit der "Gütlichen Befragung". Konnte noch kein Geständnis entlockt werden, folgte die "Territion", bei der die Folterwerkzeuge gezeigt und erläutert wurden, die bei der Dritten Verhörphase, der "Peinlichen Befragung" zum Einsatz kommen sollten.

Diese letzte grausame Phase des Verhörs führte fast immer aus Verzweiflung zu einem "Geständnis" der Beschuldigten, die das Martyrium nicht länger ertragen konnten.

In manchen Regionen wurden auch Hexenproben durchgeführt, anhand derer man den Verdacht erhärten oder die Beschuldigten durch ein "Gottesurteil" entlasten wollte.

Meist folgte nach Verhör, Folter und Probe jedoch das mehr oder weniger erzwungene Geständnis mit der Verurteilung - nicht ohne ein zweites Verhör, in dem man mittels der gleichen grausamen Mittel versuchte, Mitschuldige ausfindig zu machen.

Verurteilung bedeutete gleichzeitig auch Hinrichtung, denn Hexerei wurde mit lebendigem Verbrennen auf dem Scheiterhaufen bestraft. Man versprach sich dadurch eine Reinigung der Seele der Verurteilten.

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Recherchen zu den Ereignissen in der Region Achern ergaben, dass im Jahre 1562 "zu Unterachern" sechs Frauen als Hexen verbrannt und vier weitere an den Pranger gestellt wurden, nachdem sie mit glühenden Eisen am Rücken gebrandmarkt worden waren.

1570 wurden "zwei man und 4 zauberin zu Underachern mit dem feyher gericht" und auch zwei Jahre darauf "5 zauberinnen verprendt und in rauch verschikt" (Quelle: Kurze Geschichte der Stadt Achern, 1880, Philipp Ruppert).

Im Buch "Hexen in der Ortenau" des Offenburger Historikers Franz Volk aus dem Jahr 1882, ist neben vielen anderen auch eine Gamshursterin genannt, die das Schicksal der Hexenverfolgung traf: Merge, Georg Krampferts Wittib (Witwe) von Gamshurst. Sie wurde am 27. Mai 1628 bei lebendigem Leib verbrannt.

Was man ihr zur Last gelegt hatte, konnte bislang noch nicht herausgefunden werden, da weitere Informationen über dieses dunkle Kapitel der Geschichte, das auch vor Gamshurst keinen Halt machte, nicht vorliegen.

Recherchen: Verein für Ortsgeschichte Gamshurst
Bericht: Marco Weber

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