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Rückblicke auf die Gamshurster Ortsgeschichte

Schulhausbau im 18. und 19. Jahrhundert

Die Schule hatte im 18. Jahrhundert bei der Bevölkerung in Gamshurst keinen hohen Stellenwert – Eine Schulpflicht gab es zwar, jedoch konnte die in der landwirtschaftlich geprägten Dorfstruktur nicht durchgesetzt werden. Zu dieser Zeit waren die Kinder als Helfer in den bäuerlichen Betrieben fest eingeplant.

Selbst Pfarrer Lorenz Schätzler (ab 1772 Priester in Gamshurst) war seinerzeit keineswegs begeistert, als es Ideen gab, eine Schule beim Pfarrhaus zu errichten, weil es dort laut zugehen würde.

1778 ersuchten der Zwölfer (Gemeinderat) und Zimmermeister Nikolaus Meyer aus Neu-Freistädt (Freistett) Unterstützung beim Amt in Achern, um den Pfarrgarten zum Schulstandort zu machen. Der bis dahin vorhandene Standort sei auf sumpfigem Gebiet und solle nach und nach aufgefüllt werde, um ihn dem Pfarrer als Garten zur Verfügung zu stellen. Wo genau die Schule vorher stand, konnte noch nicht herausgefunden werden – Beschreibungen zu Folge ist es aber naheliegend, dass sie auf dem heutigen Parkplatz beim Haus der Vereine war. Direkt neben dem damaligen Gasthaus Adler gab es ein kleines Grundstück, auf dem mindestens bis zum Neubau des heutigen Schulhauses ein Schuppen für Feuerlöschgeräte stand.

Der Plan mit dem Pfarrgarten blieb jedoch erfolglos, denn 1778 sollte die Schule am heutigen Standort gebaut werden.

Das Gebäude in einer Größe von 13 mal 10 Metern barg ein Schulzimmer, eine Lehrerwohnung und ein kleines Zimmerchen für den Unterlehrer, der nach damaliger Auffassung in der Nähe des Hauptlehrers untergebracht sein musste.

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Einige Zeit später, 12 Jahre nach der Gründung des Großherzogtums Baden im Jahr 1806, waren Verwaltungsbezirke geschaffen und das Ziel vorgegeben, im ganzen Land ein gleiches Bildungsangebot zu bieten. Die Dorfschule Gamshurst hatte zu jener Zeit etwa 300 schulpflichtige Kinder.

Das Bezirksamt in Achern unternahm immer wieder Versuche, dem Gemeinderat die Notwendigkeit eines neuen Schulhauses nahe zu legen – wohingegen die Verantwortlichen in Gamshurst erklärten, dass durch die dauernden Auswanderungen die Zahl der Schulkinder rückläufig und nach vier bis sechs Jahren wieder genügend Platz vorhanden sei: Auch Anfang des 19. Jahrhunderts war man noch nicht gewillt, in eine Schule zu investieren.

Um 1827 brachte das Bezirksamt in Achern neben einem neuen Schulhaus einen Anbau am alten Gebäude erstmals ein Provisorium – eine sogenannte Notschule – ins Gespräch: Der Zimmermeister Ehret aus Ulm bei Oberkirch bot an, das alte Renchener Pfarrhaus abzubrechen und in Gamshurst neu aufzubauen – eine damals durchaus gängige Praxis.

Wo genau diese Schule stand, konnte noch nicht herausgefunden werden, aus den vorhandenen Unterlagen lässt sich aber vermuten, dass sie neben der Kirche war.

Drei Jahre nach der Fertigstellung der Notschule beantragte die Gemeinde Gamshurst, im Zimmer des Unterlehrers eine Wachstube und daneben eine Arrestzelle einzurichten. Dagegen erhob das Dekanat Achern Einspruch: Welchen Eindruck bekämen Kinder, wenn sie morgens zur Schule kommen und gleichzeitig ein Trunkenbold entlassen würde, der die Nacht in der Arrestzelle verbringen musste.

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Ab 1833 stand Gamshurst wieder unter Druck, sich endlich mit einem Schulneubau zu befassen. Es gab erneut eine Abwehrhaltung im Ort und es sollte noch einige Jahre dauern, bis man sich im Februar 1842 gegenüber der großherzoglichen Bau-Inspektion Darmstadt zu einem Neubau verpflichtete, der die Grundlage des heutigen Erscheinungsbilds gab. Fertig wurde die Schule im Herbst des gleichen Jahres.

Ein Durcheinander von nicht eingetriebenen Steuern und unbezahlten Rechnungen führte in den folgenden beiden Jahren, in denen die alte Schule in ein Ökonomiegebäude umgebaut wurde, dazu, dass dem Gemeinderechner die Finanzierung des Schulbaus entzogen und fortan von einer eigenen Rechnungsstelle mit Gregor Meyer, dem späteren Revolutionsbürgermeister, übernommen wurde.

Heute, nach einigen weiteren Baumaßnahmen über die Jahrzehnte, sind in dem U-förmigen Gebäudekomplex neben der Grundschule die Ortsverwaltung und das Gerätehaus der Feuerwehr untergebracht.

Recherchen: Verein für Ortsgeschichte Gamshurst
Bericht: Marco Weber

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