Fasnacht 2012

Narrenbaum in Dorfmitte, Sturz der Gamshurster Regierung, allerlei kleine und große Hexen und Narren: Vom Kinderfasching bis zum Kehraus am Fasnachts-Dienstag erlebten wir in Gamshurst eine tolle närrische Zeit 2012.

 

Umzug und Kinderfasching in der Halle am 11. Februar

Seit einigen Jahren bildet ein Umzug vom Kindergarten durchs Dorf Richtung Halle den Faschingsauftakt in Gamshurst. Witterungsbedingt fiel dieser, zwar bei strahlendem Sonnenschein aber bitterkalter Temperatur, in diesem Jahr etwas kleiner aus als gewohnt. Selbst der Musikverein, sonst stets mit im Boot, hatte dieses Mal abgesagt, würden bei diesen Temperaturen sicher die „Pääpere“ einfrieren. So zog eine zwar überschaubare, aber dank „Konserven-Musik“ aus der mobilen Soundanlage nicht überhörbare Meute von Kindern, Eltern und den Litzlocher Moorhexen durch das Dorf, um zum Kinderfasching in die Halle einzuziehen.

Wo es wärmer ist, da zieht es auch die Narren hin: Oberhexe Manuela Morgenstern von den veranstaltenden Litzlocher Moorhexen konnte einen gefüllten Saal begrüßen und ein buntes Programm von Kindergarten, Grundschule und Gästen ankündigen.

Den Bühnenauftakt bildeten die jüngsten Narren des Kindergartens St. Nikolaus: Piratentänze, Lieder vom Regenbogenfisch und zum Abschluss das Fliegerlied – klar, dass das Publikum die Kleinen nicht ohne Zugabe ziehen ließ.

Im zweiten Programmblock luden die Schüler und Lehrer der Gamshurster Grundschule das Publikum auf eine närrische musikalische Weltreise ein. Begleitet von der „Lehrer-Band“ ging die Reise nach Italien, in die Türkei, nach Marokko, von wo die bekannte „Tante“ kommt, quer durch die Wüste zu Kamelen und Dromedaren – dann nach China zu den „drei Chinesen mit dem Kontrabass“, Amerika und von dort zurück nach Gamshurst.

Die Mädchen der Garde vom TV Willstätt legten im Anschluss einen flotten Gardetanz aufs Parkett und das Finale des Faschingsnachmittags bildeten die Tanzmäuse des TV Willstätt, die mit Piraten, Raubkatzen und Affen begeisterten.

Mit einer Spende an Kindergarten und Schule bedankte sich Manuela Morgenstern bei Sabrina Gräff und Martin Schübel für die Programmbeiträge zu diesem rundum gelungenen Faschingsauftakt der kleinen Narren in Gamshurst.

Stürmung des Rathauses

Am frühen Donnerstagabend war es mit der Regentschaft des Ortsvorstehers in Gamshurst vorbei: Unterstützt durch eine närrische Gefolgschaft des „Muhrgrundel-Dorfs“ rissen die „Litzlocher Moorhexen“ die Barrikaden nieder und stürmten das Rathaus. Bis Aschermittwoch muss der Ortsvorsteher nun den Schlüssel abgeben: Unübersehbar weht die Fahne der Hexenzunft zum Zeichen der närrischen Revolution über dem Eingangsportal des Gamshurster Rathauses.

Zuvor ließen sich Ortsvorsteher Hans Jürgen und Oberhexe Manuela Morgenstern über allerlei amüsante Begebnisse der letzten Zeit aus. Hatte sie es – wohl mit „Hexenkraft“ geschafft, still und heimlich eine Überraschungsparty zum runden Wiegenfest des Ortsvorstehers zu organisieren, ohne dass er im Vorfeld davon auch nur das Geringste erfuhr. Unterstützung erhielt sie dabei unter anderem vom Ortsvorsteher-Stellvertreter Andreas Federle. Dieser, so war zu vernehmen, gehöre zu der „ganz schlimmen Sorte“, wolle er doch allen Katzen im Ort, die ihre Notdurft in Nachbargärten verrichten, durch Kastration den Garaus machen – auf dass „Gamshurst katzenfreie Zone werde, als erstes Dorf auf Badens Erde“.

Dass bei der Rathausstürmung nicht zwingend ein Vertreter aus Politik oder Verwaltung „geteert und gefedert“ wird, bekam der Filialleiter der Gamshurster Volksbank unverhofft am eigenen Leib zu spüren: „Der Euro geht den Bach hinunter, während Erwin sitzt hier froh und munter!“ Als Vorgeschmack, was einem als „Hüter des Geldes“ blühe, wenn die Währung schlapp machen sollte, erhielten Erwin Weber und Jonas Preiss eine ordentliche Konfettitaufe und zum Andenken an diesen Tag den Gamshurster Narrenorden 2012.

Narrenbaum-Stellen auf dem Dorfplatz

Nach der Rathausstürmung am Nachmittag des „Schmutzige Durschdi“ zog die närrische Meute auf den Dorfplatz, wo die Litzlocher Moorhexen den Narrenbaum stellten.

Anschließend wurde noch zünftig der Start der „heißen Phase“ der Fasnacht gefeiert.

Brauchtumsabend der Litzlocher Moorhexen

Gilt die „13“ zwar landläufig als Unglückszahl, in Kombination mit „Hexen“ vielleicht sogar erst recht, war davon beim 13. Brauchtumsabend der „Litzlocher Moorhexen“ in Gamshurst am Samstag rein und fein gar nichts zu spüren – im Gegenteil: Eine ausverkaufte Halle voll glücklicher Menschen feierte die Fastnacht mit heißen Rhythmen, lauten Tönen, Tanz und guter Laune bis spät in die Nacht.

Um noch einmal bei der „13“ zu bleiben: Das war die Anzahl der Showtanzgruppen, die den Abend über auf der Bühne flotte Aufführungen boten, vom Gardetanz der Tanzgarde Lichtenau-Ulm über rasante Darbietungen von Twenty Up! und Effeminate bis hin zum schweißtreibenden Tanz im Häs, den die Gertelbachdämonen Bühlertal zum „Summer of 69“ präsentierten.

Mit weiteren Showtänzen begeisterten die „Gesichter der Schauenburg“, Sundheimer Hexen, die Magic-Twirl-Dancer Kehl, TV Willstätt und die Gruppe IndepenDance der Stadtkapelle Freistett.

Gruppen aus Gamshursts Nachbarschaft waren mit den Muckezeffner Sackgsichtern, der Unzhurster Himbeergarde, den Hellauen aus Önsbach und den Groschwierer Frösch mit Deichbatscher vertreten.

Im Wechsel mit den Showtanzgruppen sorgten sechs Guggenmusiken für die „volle Dröhnung“ auf Bühne, Tischen und Bänken: Die Schnoogesurrer Offenburg, Ohrequäler Schutterwald, Schierebirzler aus Goldscheuer, Schlabpedängler Deluxe aus Kehl, Thurgau-Wängscht aus Haslach und, mit der weitesten Anreise, die Hornigl’r aus Whyl.

Keineswegs ruhiger ging es in den Pausen und nach dem Bühnenprogramm zu – über die ganzen Jahre bewährt, sorgte das Team der Disco Showtime aus Legelshurst für Tanzmusik ganz nach dem Geschmack des närrischen Publikums.

Für Manuela Morgenstern war dieser dreizehnte zugleich der letzte Abend unter eigener Regie. Sie hat sich entschlossen, den Oberhexenbesen nach der aktuellen Fastnachtskampagne weiterzugeben. Im Namen der Moorhexen dankte ihr Simon Schmitt für die vielen Jahre, in denen sie die Narrenzunft seit 1998 mit aufgebaut und seither als Oberhexe geführt hatte mit einem großen Blumenstrauß.

Ortsvorsteher und zugleich Ehemann Hans Jürgen Morgenstern hatte zum Abschluss des Programms ein Überraschungs-Pyro-Feuerwerk als Dankeschön organisiert und holte dazu alle Gamshurster mit auf die Bühne, die Manuela und die Moorhexen über die ganzen Jahre begleitet hatten.

Blooserball des Musikvereins

Auf zum Schlussspurt der Kampagne 2012 hieß es beim Musikverein Gamshurst. Beim traditionellen „Blooserball“ in der Muhrgrundelhalle am Rosenmontag scheuten sich Narren auch nicht mit rasanten Tänzen gewürzt mit a bißl brisonter Dorfpolitik aufzuwarten. Bis nach Mitternacht wechselten die Szenarien ab, das Stimmungsbarometer in der voll besetzten Muhrgrundelhalle blieb immer oben. Christian Federle führte als närrischer Conférencier wortgewandt durch das kunterbunte Programm und belohnte alle Mitwirkenden mit dem Narrenorden.

Zwischen den Tanzrunden und nach dem Programm sorgte wie im vergangenen Jahr das „Duo Grenzenlos“ aus dem Achertal für Stimmung, bei Daniel und Stefan Dörflinger kamen beim „Blooserball“ alle Tanzlustigen voll auf ihre Kosten. Gleich mit einem Knaller wartete die „TFG Önsbach“ mit ihrem Showtanz auf, jung, rassig und mit unglaublich sportlicher Bewegung präsentierten die zwölf Mädels mehrere Showtänze, „do mussten einige scho die Brille zurecht rugge“.

Kaum hatte man sich durch die erste Tanzrunde „gekämpft“ – es war probbevoll da vorne – betraten neun engagierte Hausfrauen die Bühne. Wie im vergangenen Jahr auch – dort als mobile Baumallee – so auch heuer waren sie im Auftrag der Ortsverwaltung Gamshurst für ihren „Anführer HJM1“ (Hans Jürgen Morgenstern der Erschde) unterwegs. Wie konnte es anders sein, dieses Jahr gab´s Seitenhiebe auf die Männer, denn das Motto lautete „In der Schürze liegt die Würze und das weiß doch jeder Mann“. Mit einer Meinungsumfrage, hier galt es Fragen rund um den Ort und den Vereinen, dem „Gummistiefelfond der Rentnergruppe oder dem verbesserungswürdigen Wetter in Gamshurst zu beantworten, mischten sie sich unter das Narrenvolk. Die Auflösung kurz vor Mitternacht hatte es auch in sich, Moderatorin Astrid Wiegert präsentierte mit Gefolge die Preise, vom „Weinabend“ (Zwiebel mit Tempo), einem Musikinstrument (Topf mit Löffel), dem sexy Wochenend für zwei und einer Hafenrundfahrt, hier wurde „Geldminister“ Gerhard Federle auf einem Wägele um den berühmten Hafen der Nacht von den Mädels gefahren; Schmerzen an den Lachmuskeln waren auf jeden Fall angesagt.

Premiere hatten anschließend zwölf Mädels der Wooschter Houmugge, mit ihrem wahnsinnigen Showtanz mischten sie das Publikum richtig auf, reichhaltig Beifall und stürmische Zugabe Rufe waren die Folge. Die „Hellaue“ aus Önsbach gab es gleich im Doppelpack, zunächst zeigten sechs Mädels einen Showtanz anschließend bot das Männerballett einen astreinen Auftritt. Man(n) hatte einen gonz speziellen Donzschritt druff, auf jeden Fall war´s ein Kracher das Publikum hatte viel zu lache. Tief Luft holen mussten acht Tanzmädels von der Landjugend nach ihrem Showtanz, die zarten Geschöpfe – mit Aileen Gerull hatte sich ein Mädel eingeschlichen – durften nur mit einer Zugabe von der Bühne, einstudiert hatten den Tanz Nevin Wiegert und Lisa Egner.

Mit Getöse zogen die „Bläch-Forest-Guggys“ aus Achern in die Muhrgrundelhalle. Diese dominante Gruppe gab eine halbe Stunde mit allerlei schrägen Tönen und schmissigem Sound dem „Blooserball“ eine feine Würze. Beim spontanen Auftritt der Litzlocher Moorhexen fehlten Moderator Christian Federle zwar nicht die Worte aber dafür die Orden, mit dem „Bob-Fahrer-Lied“ wurden er und das Narrenvolks regelrecht überrumpelt.

Auch am Dienstag brodelte in der vollbesetzten Muhrgrundelhalle die Stimmung über. Die „Gomschder Schdadtmusik“ beteiligte sich am großen Umzug in Achern, um dann mit einem närrischen Kehraus aufzuwarten. Die neue Vorsitzende Bettina Baumert, „quasi die Firschd Ladie“ des Musikvereins hatte dabei ihre „Truppen“ mit Spielen und Bedienen gut aufgeteilt, Dirigent Sylvain Fellmann hatte fetzige und spritzige Unterhaltungsmusik zusammengestellt. Die Hatzenweirer Garde sorgte mit einem Garde- und einem Showtanz etwas fürs Auge. Es dämmerte schon als sich vor der Muhrgrundelhalle was tat, da schlichen die Litzlocher Moorhexen und das Narrenvolk mit einem „Trauerzug“ auf den Festplatz und „verbrannten unter Heulen und Tränen die Hex 2012“.

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