Gruft der Domicilla Becker präsentiert sich in würdevollem Rahmen

Die Gruft der Domicilla Becker auf dem Gamshurster Friedhof ist freigelegt und das Gelände um die Grabanlage angelegt und optisch aufgewertet worden. Zum Abschluss dieses Projekts trafen sich die Verantwortlichen des Vereins für Ortsgeschichte, Unterstützer, Sponsoren und Ortschaftsräte Ende Oktober 2015 vor Ort zu einer kleinen Feierstunde.

Vor einem Jahr, so Ortsvorsteher Hans Jürgen Morgenstern, hätte man wohl kaum eine Vorstellung gehabt, wie sich dies alles entwickelt: Es wurde in der Vergangenheit schon öfters darüber gesprochen, dass auf dem Gamshurster Friedhof eine gemauerte Gruft unter der Grasoberfläche verborgen liegt. Im Frühjahr stieß das Team der Rentnertruppe vom Verein für Ortsgeschichte dann tatsächlich auf das Grabmal – und es war erstaunlich gut erhalten. Die Entscheidung, die Gruft  komplett freizulegen und die Anlage um das Grab optisch ansprechend zu gestalten, war schnell getroffen und fand sowohl im Verein als auch im Ortschaftsrat eine Mehrheit. In den letzten Monaten wurde eine schützende Sandsteinmauer um die Gruft errichtet, eine Glasüberdachung und ein Zaun installiert (wir berichteten). Auf dem Gelände um die Gruft wurden unter Anderem kleinkronige Schattenbäume gepflanzt und von der Rentnertruppe eine neue Sitzbank errichtet. Das Forschungsteam des Vereins hat eine Informationstafel gestaltet, auf der das Leben der Domicilla Becker und die Freilegung der Gruft erläutert werden.

Als besondere Überraschung für die Anwesenden verkündete Morgenstern, dass mittlerweile der Marmorstein, der einst auf Domicillas Grab stand, bevor dieses vor einigen Jahrzehnten abgeräumt wurde, wieder aufgetaucht ist. Man will ihn in den nächsten Monaten restaurieren und die Beschriftung wieder anbringen lassen, um ihn dann im Bereich der Gruft wieder aufzustellen.

Großen Dank sprach Morgenstern an alle Beteiligten aus – allen voran dem Verein für Ortsgeschichte, der einen Großteil der Finanzierung dieses Projekts übernommen hatte. Der ursprünglich anvisierte Kostenrahmen von 3500 Euro wurde durch verschiedene Ausführungen im Verlauf der Tätigkeiten nahezu verdoppelt. Rund 6000 Euro davon schlagen empfindlich in der Kasse des Vereins zu Buche. Weitere Finanzmittel steuerte die Ortsverwaltung bei, seitens der Stadt Achern wurde die Bepflanzung übernommen und fachmännischer Rat für eine pietätvolle Gestaltung der Anlage gegeben.

Das Ergebnis zeige, dass es die Anstrengungen wert war – auf kaum einem Friedhof in der Region ist eine freigelegte Gruft vorhanden.

Dank galt auch den Sponsoren wie der Schreinerei Wolfgang Meyer, die den Arbeitslohn für die Gestaltung des Daches nicht in Rechnung stellte. Werner Brunner führte die Metallarbeiten für die Informationstafel aus und Werner Meyer unterstützte die Aktion mit fachmännischem Rat und Tat und stellte notwendige Gerätschaften zur Verfügung. Rainer Rochon, Kappo der Rentnertruppe, konnte die Zahlen nennen: Ganze 89 Stunden waren es alleine, die Werner Meyer geleistet hatte. Hinzu kamen weitere 428 seines Teams – insgesamt also mehr als 500 Arbeitsstunden – zuzüglich noch rund 60 Stunden Traktoreinsatz.

Leonhard Brunner, Vorsitzender des Vereins für Ortsgeschichte, schloss sich dem Dank an und würdigte die immense Arbeit, die auch der Ortsvorsteher selbst mit diesem Projekt hatte: Seien es Abstimmung über die Vorgehensweise mit Behörden und Denkmalamt, oder die vielen anderen Dinge, die es seither zu regeln gab. Ohne seine Unterstützung wäre dies alles gewiss nicht so schnell von Statten gegangen.

Im Anschluss ließ man die Freude über diese weitere gelungene Aktion im Ort mit einem Imbiss und Getränken ausklingen. Brunner betonte, dass es für den Verein sofort klar war, dass man sich einer solche Besonderheit, auch im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte der Dame, annehmen und die Sanierung der Gruft realisieren werde: Andernfalls hätte man als Gruppierung, die sich der Ortsgeschichte verschrieben hat, gewiss seinen Vereinszweck verwirkt.

Hintergrund: Domicilla Becker

Domicilla Becker wurde 1825 geboren und als kleines Kind in Gamshurst ausgesetzt. Bürgermeister Anton Burst nahm sie auf – seine älteste Tochter kümmerte sich fortan um das Mädchen.

Als junge Dame lief sie davon und lebte in der Schweiz, später in Italien, wo sie 1848 heiratete. Sie verließ ihren Mann, lebte später als Haremsdame in Ägypten und floh auch von dort.

Um 1870 tauchte sie wieder überraschend in Gamshurst auf. Sie war mittlerweile – bedingt durch viele „Männerbekanntschaften“ – zu Reichtum und Wohlstand gekommen und lebte in Baden-Baden, wo sie 1872 im Alter von 47 Jahren vermutlich an Syphilis starb.

Domicilla wurde gemäß ihrem Wunsch in einer Gruft auf dem Gamshurster Friedhof bestattet.

Ihr Nachlass von rund 18700 Gulden ging zu großen Teilen nach Gamshurst, unter anderem an den katholischen Kirchendfonds mit der Auflage eine Kapelle zu bauen – dabei handelt es sich um die kleine Kapelle auf dem Gamshurster Friedhof.

Der Zinksarg im Inneren der Grabstätte war noch zu großen Teilen erhalten und wurde, nachdem er geborgen war, gemeinsam mit den sterblichen Überresten der Domicilla Becker unweit der Gruft begraben.

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